Leben und Arbeiten im Campervan in Spanien.

Freistehen in Spanien mit dem Campervan – was ist erlaubt?

Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung! Er gibt lediglich meine Recherchen im Internet zu diesem Thema wieder.

Gibt es etwas schöneres, als mit dem Kastenwagen ganz alleine, mitten in der Natur zu stehen? Keine Nachbarn, keine Kuschel-Camper … Camperglück hoch 10.

Doch auch in Spanien tut sich immer mehr Widerstand gegen die Freisteher auf. Einmal sind immer mehr Wohnmobile und Campervans unterwegs, die am liebsten frei stehen. Und zum anderen sind leider dadurch auch immer mehr schwarze Schafe darunter, die uns in Verruf bringen.

Einer der Hauptgründe ist, dass gerne die Natur als Toilette genutzt wird und es stellenweise ganze Strandabschnitte und Dünenlandschaften gibt, die voller Hinterlassenschaften und Klopapier sind. Das kommt bei der Bevölkerung natürlich super an 🙁 . Es gibt zwar auch immer mehr, gerade junge Camper, die Plätze sauberer hinterlasse, als sie sie vorfinden. Beherzt schnappen sie sich einen Müllbeutel und sammeln den ganzen Müll ein, den andere (auch Einheimische) hinterlassen haben und bringen in dort hin, wo er hin gehört. Und ja, auch ich sammle erste einmal den Müll ein, wenn ich an einen schönen Platz in der Natur komme, an dem ich verweilen möchte.

Zum anderen fürchten die Campingplätze und Stellplatzbesitzer um Ihre Kunden. Erst kürzlich hat die Präsidentin des Verbandes der spanischen Campingplätze (FEEC – Federación Española de Campings España) Ana Beriain öffentlich in einem Interview gegen die Freisteher gewettert (was eine Welle der Empörung unter den spanischen Wohnmobilisten auslöste).

Dies hat mich dazu bewogen, folgender Frage auf den Grund zu gehen: Ist Freistehen bzw. das Übernachten im Wohnmobil ausserhalb von Campingplätzen und Stellplätzen in Spanien erlaubt?

Dazu muss man erst einmal klar differenzieren zwischen Stationieren und Campieren. Stationieren (spanisch Estacionar) bedeutet, das Fahrzeug (egal ob PKW oder Wohnmobil) parkt ordnungsgemäß an einer dafür vorgesehenen Stelle. Campieren wäre es, wenn noch andere Faktoren hinzukämen, wie z.B. das Ausfahren der Markise, das Aufklappen der Seitenfenster, Tisch und Stühle raus stellen etc. Selbst eine ausgefahrene Trittstufe kann schon mancherorts als Campieren gedeutet werden.

Es obliegt den Gemeinden in Spanien, zu bestimmen wo und ob an bestimmten Stellen Wohnmobile parken dürfen oder nicht. Darüber hinaus gilt laut der Instrucción 08/V-74 de 2008 (habe ich mir ausgedruckt und immer dabei) des Verkehrsministerium folgendes: So lange ein Fahrzeug korrekt geparkt ist (=Stationieren), innerhalb der vorgesehenen Limitationen, ohne Überschreitung der Zeitbegrenzung, falls es eine geben sollte, ist es irrelevant, ob die Insassen sich im Fahrzeuginneren befinden oder nicht. Das gilt auch für Wohnmobile. Das Wageninnere gilt als privater Raum. Man darf sich darin aufhalten, kochen, das Dach oder die Dachluken hochstellen, Keile unterlegen (Sicherheitsmaßnahme) und auch darin schlafen, solange es eine reine Übernachtung und kein Campieren ist.

Die Gesetzeslage ist also klar, wenn es sich um einen Parkplatz, eine Parkbucht etc. innerhalb und ausserhalb von Ortschaften handelt. Aber es gibt auch Ausnahmen. Verboten ist z.B. das Übernachten in Naturparks (Parque Natural) und Naturschutzgebieten. Das gilt auch für die Strände, vor allem an der Mittelmeerküste. An der Atlantikküste wird ab und an mal ein Auge zugedrückt, vor allem in der Nebensaison (fraglich, wie lange noch). Auch in abgelegenen Regionen im Inland wird das Freistehen oft geduldet, eine Garantie gibt es aber keine.

Wie lange dieses Kulanz Verhalten noch andauert ist schwer zu sagen. Das kommt sicherlich auch darauf an, wie viele “Freisteher” unterwegs sind und wie sie sich verhalten. Daran sollten wir immer denken, wenn wir irgendwo in freier Natur stehen und uns dementsprechend verhalten. Gerade hier gilt, keine Spuren zu hinterlassen. Zur Inspiration und zum Überdenken unseres Verhaltens in der freien Natur verlinke ich hier noch einmal auf die Organisation Leaf No Trace.

Wenn Ihr Erfahrungen mit dem Freistehen in Spanien gemacht habt, freue ich mich, wenn ihr diese in den Kommentaren mitteilt. In diesem Sinne allzeit gute Fahrt und kommt stressfrei und gesund an.

Im Campervan durch Spanien – Ein Traum geht in Erfüllung

Seit 2011 lebe ich (wieder) in Spanien, in der Nähe von Málaga (mehr über mich hier). Als passionierter Landschaftsfotograf bin ich oft auf Tour, auf der Suche nach neuen, interessanten Fotolocations. Doch wie das so ist mit der Fotografie (wer gerne fotografiert, kennt das), fotografiert man am besten, gerade bei Natur und Landschaft, um Sonnenauf- oder untergang. Wenn dann die Location noch ein bis zwei Autostunden vom Heimatort entfernt liegt, wird die Sache ziemlich aufwendig (mitten in der Nacht aufstehen, ohne richtiges Frühstück losfahren …) Das kann dann schon mal dazu führen, dass man doch lieber zu Hause bleibt.

Und auch für die Erkundung neuer Fotolocations für meine Fotoreisen und Fotoworkshops gilt, erst wenn ich mindestens drei bis vier Mal dort gewesen bin, idealerweise zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten, kann ich etwas über den Platz sagen.

Wie genial wäre es da, wenn ich direkt bei oder in der Nähe der Fotolocation übernachten könnte. Und so wuchs in mir der Gedanke, mir einen Campervan zuzulegen (zugegeben, den Traum vom eigenen Wohnmobil habe ich schon sehr lange). Zudem habe ich das Glück, dass mein Job mir viel Freiraum in meiner Zeitgestaltung gibt. Als Tourguide und Reiseleiter bin ich hauptsächlich im Frühjahr und Herbst unterwegs. Im Sommer und Winter bin ich recht ungebunden. Und da wir als Reiseveranstalter keinen Kundenverkehr haben, kann ich alle Arbeiten vom Van-Office aus erledigen. Diese Umstände ermöglichen es mir, Reisen und Arbeiten zu verbinden.

Im Oktober 2019 habe ich dann Nägel mit Köpfen gemacht. Ich machte mich auf zum Caravaning Salon in Barcelona, die größte Caravaning Messe Spaniens. Neben der grossen Auswahl an Modellen lockte mich hier die Möglichkeit, einen ordentlichen Messerabatt abzugreifen. Durch meinen Vorab-Recherchen kamen die 6,30 m Modelle von Malibu und Knaus ganz oben auf die Favoriten Liste.

Auf der Messe habe ich mich dann letztendlich für den Boxlife 630 ME von Knaus entschieden. Der Händler hatte von sich aus noch so viele Extras drauf gepackt (170 Watt Solaranlage, 6.8″ Multi Media Autoradio, Rückfahrkamera, Außendusche im Heck …), dass ich die Messe mit dem Gefühl verließ, ein super Geschäft gemacht zu haben.

Im März 2020 sollte der Wagen ausgeliefert werden. Durch Corona dauerte es dann doch etwas länger. Am 10. Juni kamen dann von meinem Händler zwei Fotos per WhatsApp, begleitet von einem Anruf. Der Wagen sei jetzt in Barcelona angekommen und er brauche ca. zwei weitere Wochen für die Anmeldung und die Installation der Extras.

Glücklicherweise sind wir bereits in der Fase 3 der Aufhebung des Alarmzustandes, so dass es wieder möglich ist, über die Grenzen der eigen Provinz hinaus zu reisen. Noch am nächsten Tag habe ich den Flug nach Barcelona gebucht. Ich werde dann von der Übergabe und der Reise zurück nach Málaga berichten.